Warum fotografiere ich die Schwarz-Weiß-Bilder analog*?

*Für alle, die nur das digitale Zeitalter kennen: bei der analogen Fotografie wird das Bild auf einem Film, welcher in die Kamera eingelegt wird, aufgezeichnet

Ja, warum analog? Das werde ich oft gefragt… ist doch mit Sicherheit der digitale Weg der einfachere, schnellere, kompaktere und kostengünstigere.

Die Diskussion, welche Art der Fotografie – die digitale oder die analoge – die bessere ist, will ich erst gar nicht aufleben lassen. Beide Techniken haben ihre Berechtigung, und es ist fantastisch, dass man heute als FotografIn beide Techniken zur Verfügung hat.

Doch bereits zu Beginn meiner Ausbildung zur Fotografin hat mich die Ästhetik und der besondere Ausdruck der Schwarz-Weiß-Fotografie fasziniert. Warum?

Die Digitalisierung führte die Fotografie in eine neue Dimension. Verbunden damit ist nicht nur, dass die Anzahl der Fotos, die jeder einzelne macht, ins Unermessliche gestiegen ist; auch das Bilderlebnis hat sich verändert. Im Digitalen ist es möglich, die Fotos sofort am Kameradisplay zu sehen, und die Anzahl der Aufnahmen ist nahezu unbegrenzt. In der analogen Fotografie hingegen muss man nicht nur auf die Bilder warten, sondern auch die Anzahl der Fotos, die am Stück mit einem Film gemacht werden können, ist begrenzt.

Was bedeutet das nun in der Praxis?

Die analoge Fotografie setzt voraus, dass man bereit ist, sich intensiv mit dem Motiv zu beschäftigen. Das Bild entsteht während des Fotografierens und nicht danach in Grafikprogrammen auf dem Computer (z.B. Photoshop). Das zwingt mich wiederum, als „Bildermacherin“ zu hinterfragen: Was möchte ich erzählen? Wie setze ich diese Erzählung während der Aufnahme um? Und wie erreiche ich danach den Betrachter des fertigen Bildes?

In erster Linie geht es um Entschleunigung, bewusstes Fotografieren, Sehen, Wahrnehmen, und Präzision. Das Motiv – erst mit Bedacht fotografiert und dann in der Dunkelkammer von Hand auf Silbergelatinepapier ausgearbeitet – ist ein handwerkliches Meisterstück, das absolut einzigartig ist. Das gleiche Motiv 20 Mal oder mehr digital fotografiert, durch ein Bildbearbeitungsprogramm bearbeitet und durch diverse Plugins nachgebessert und geschärft, ist ein maschinell erstelltes beliebig oft kopierbares Massenprodukt. Entsprechend schnell gerät es auch wieder in Vergessenheit.

Es ist kein Zufall, dass in unserer reizüberfluteten und schnelllebigen Zeit die analoge Fotografie ein Revival erlebt, ähnlich dem der Schallplatte. Es ist wohl die Sehnsucht, vor allem junger Menschen, nach Qualität statt Quantität, und danach, ein qualitätsvolles Bild mit bleibendem Wert zu schaffen.

Nach wie vor liebe ich Schwarz/Weiß; den langsamen, sehr persönlichen, fast schon meditativen Weg des analogen Fotografierens. Das entschleunigte Arbeiten, die Präzision und Reduktion. Es ist für mich eine Besinnung auf die Wurzeln der Fotografie, auf die Basis des Handwerks, und es ist die emotionalste Art der Fotografie. Genau darum bin ich analog!

Bleibt nur noch die Frage: “Was macht ein gutes Foto aus?“ Das ist leicht und klar zu beantworten: „Es berührt/erreicht/trifft den Betrachter!“ ……..uuuuuuuuuund letztendlich ist egal, ob analog oder digital.